Powells Kehrtwende: Ein Paradigmenwechsel bei der Fed!
Eine kurze Analyse der jüngsten Fed-Entscheidungen und deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte
Eigentlich hätte es ein gemütlicher Abend werden können…
Die Fed nimmt, wie von vielen erwartet, den massiven Zinskürzungsphantasien des Marktes ein wenig die Luft raus. Die Renditen auf der gesamten Zinskurve steigen leicht, der Aktienmarkt hat einen kleinen Dip der gekauft wird.
Man bedenke in diesem Kontext noch die Äußerungen von Jay Powell vor gerade mal 2 Wochen:
Dec 1 Powell: “It would be premature to … speculate on when policy might ease.”
Aber es kam alles anders!
Jay Powell zeigte kein Interesse daran, den geschwächten finanziellen Bedingungen (Financial Conditions, FC) mit rhetorischen Mitteln entgegenzuwirken. Er betrachtete die Rendite der US-10-Jahresanleihen beim letzten Meeting noch als Indikator für die Effektivität der Fed-Politik, vorausgesetzt, dass dieser Effekt nicht nur temporär ist. Jetzt scheint dieser Effekt jedoch gänzlich verschwunden zu sein, und der Rückgang der Rendite um 85 Basispunkte (BPS) wird von Powell als irrelevant angesehen. Auch ein steigender Aktienmarkt und die daraus resultierende Verstärkung des Wealth-Effekts scheinen für ihn von untergeordneter Bedeutung zu sein.
Aus “we are not even thinking about cutting” wurde:
Dec 13 Powell: Rate cuts are something that “begins to come into view” and “clearly is a topic of discussion.”
Im FOMC Meeting wurde schon das Timing von Cuts besprochen. Es wird jetzt schon eine Wahrscheinlichkeit von Zinskürzungen im JANUAR 2024 eingepreist.
Ein vollkommen verrücktes Fed Meeting. Gestern Abend führte ich über 30 Trades durch, da es notwendig war, mich schnell umzuorientieren und auf die neuen Informationen angemessen zu reagieren. Als jemand, der sich primär als Investor betrachtet, stellt eine solche Anzahl von Trades für mich eine signifikante Aktivität dar.
Unter anderem habe ich mein Delta im TLT (Treasury Bond ETF) angepasst, indem ich es erhöhte. Zudem begann ich, eine Position im FXI (China Large-Cap ETF) aufzubauen. Weiterhin kaufte ich meine zuvor verkauften EUR-Futures-Puts zurück (80% Profit Target). Auch im QQQ (Nasdaq-100 ETF) erhöhte ich mein Delta durch den Verkauf von Puts und kaufte eine Optionskombination. Einige Positionen, insbesondere im TLT, wurden bereits wieder geschlossen, da diese entweder 0-Day-to-Expiration (DTE) oder 2-DTE-Optionen betrafen. Obwohl ich ursprünglich schlecht für den Abend positioniert war, gelang es mir, mich schnell neu zu positionieren und den Handelstag sehr positiv abzuschließen. Es ist immer wichtig offen für alle möglichen Szenarien zu sein und nicht mit seiner eigentlichen Positionierung verheiratet zu sein. Der Markt kann sich blitzschnell ändern…
Welche Faktoren bestimmen Jay Powells Entscheidungen?
Es scheint, als ob Jay Powell den Renditen längerfristiger Staatsanleihen, dem Aktienmarkt, dem Dollarkurs und anderen finanziellen Bedingungen (zusammengefasst als 'financial conditions') wenig Bedeutung beimisst. Entscheidend erscheint vielmehr die reale, neutrale Zinsrate zu sein. Diese Rate könnte – oder sollte sogar – allmählich gesenkt werden, wenn die Inflation zurückgeht. Eine solche Anpassung würde es ermöglichen, das Niveau einer realen, neutralen Zinsrate beizubehalten (Federal Funds Rate abzüglich Inflation). Dies trägt weiterhin dazu bei, das Wirtschaftswachstum zu dämpfen und die Inflation zu senken.
Jedoch bleibt die Frage: Warum zeigte Jay Powell plötzlich eine so deutlich dovishe (taubenhafte) Haltung?
Diese plötzliche Veränderung im Tonfall überrascht und führt zu Spekulationen. Einige Beobachter vermuten politischen Druck als mögliche Ursache…
Gefahren einer zurückhaltenden Federal Reserve
Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte der Fed, dass sie zu früh agiert und dadurch eine Schwächung der finanziellen Bedingungen (financial conditions) herbeiführt, indem sie den Kampf gegen die Inflation vorschnell als beendet erklärt. Es besteht das Risiko, dass der Übergang von einer Inflationsrate von 3% auf 2% deutlich schwieriger sein wird als von 4% auf 3%. Rückblickend könnte sich dieses Fed-Meeting als Fehler erweisen. Dies wird jedoch erst im Jahr 2024 klarer werden. Derzeit ist es mir persönlich wichtig, auf die offensichtlichen Preisreaktionen zu reagieren:
Long Aktien (kurzfristig)
Long Japanischen Yen (JPY)
Long Miners (Proxy: XME)
Long Gold, BTC
Short US-Dollar (wobei Christine Lagarde heute eine Wild Card ist)
Long Anleihen (aber fast schon eher neutral)
Long High-Yield-Anleihen (Proxy: HYG, USHY)
Long Nebenwerte (IWM, RSP/SPY Ratio)
Disclaimer:
Die Informationen in meinen Blogartikeln dienen lediglich zur allgemeinen Orientierung und sind keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung gemäß dem Wertpapierhandelsgesetz. Die hier zur Verfügung gestellten Inhalte können keinesfalls die Beratung durch einen Fachmann auf diesem Gebiet ersetzen. Zudem sind sie nicht als Garantie für bestimmte Kursentwicklungen gedacht. Vorherige Kursentwicklungen sind kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Sie sollten die Inhalte nicht als Anregung interpretieren, eine bestimmte Transaktion oder ein Geschäft durchzuführen. Weiterhin sind sie weder ein Angebot zum Verkauf oder eine Werbung für ein Verkaufsangebot für Wertpapiere oder Rechte, noch eine Einladung zum Handel mit diesen.